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Pressemitteilung vom 24.07.2017

„Ehe für alle“ – Kirche muss unabhängig vom Staat handeln

Treffen von Landeskirchenrat und ABC zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede

München – Die Entscheidung des Bundestags zur Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare kann keine unmittelbaren Konsequenzen für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern haben. Dies haben Vertreter des Landeskirchenrates und des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern (ABC) bei einem Treffen unter Leitung der Münchner Regionalbischöfin und Ständigen Vertreterin des Landesbischofs, Susanne Breit-Keßler, übereinstimmend festgehalten. Nach Einschätzung von Oberkirchenrat Michael Martin stellt sich aber unabhängig von der jüngsten Bundestagsentscheidung die Frage, wie die Kirche mit dem Wunsch homosexueller Paare nach einer Segnung bzw. Trauung umgehe.

In der weltweiten Kirche gebe es dazu eine Vielzahl von Positionen, so Martin, der im Landeskirchenrat u.a. für die Ökumene zuständig ist. Während zwei Drittel der Christenheit eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe ablehnten, sähen viele evangelische Landeskirchen in Deutschland inzwischen offiziell Trauungen vor. Die bayerische Landeskirche stelle mit der Ablehnung der öffentlichen Segnung homosexueller Paare inzwischen eine Ausnahme dar. Vor diesem Hintergrund soll ab Herbst eine Arbeitsgruppe aus Landeskirchenrat und Landessynodalausschuss zunächst theologische Fragen klären. Im Anschluss daran sei die Herausgabe einer Handreichung zum Thema Segnung bzw. Trauung denkbar. Wichtig sei, dass die Einheit der Kirche trotz der unterschiedlichen Meinungen bei diesem Thema gewahrt bleibe.

Auch nach Einschätzung des ABC-Vorsitzenden und Lohrer Dekans Till Roth ist die Einheit der Kirche ein hohes Gut. Allerdings stellten sich schwerwiegende Fragen, wenn die Landeskirche Segnungen bzw. Trauungen für homosexuelle Paare gegen den Widerstand vieler Kirchenmitglieder ermögliche. So sei zu fragen, welche Konflikte in Kirchengemeinden auftreten könnten, wenn verschiedene Pfarrer hier womöglich unterschiedlich handelten. Auf Pfarrer, die sich einer Segnung bzw. Trauung widersetzten, könnte ein hoher Druck zukommen. Irritierend sei, dass manche Landeskirchen den Gewissensschutz für Pfarrer zeitlich begrenzten: „Gewissensschutz auf Zeit ist aus theologischen Gründen ein Widerspruch in sich“, so Roth. Vor diesem Hintergrund bedankte sich ABC-Sprecher Hans-Joachim Vieweger für die Zusage, dass vor der möglichen Entwicklung einer Handreichung die grundlegenden theologischen Fragen in den Mittelpunkt gestellt werden sollen. Vieweger, der auch Mitglied der Landessynode ist, bekräftigte, dass es nach Ansicht des ABC keine biblische Grundlage für eine Segnung homosexueller Partnerschaften gebe.

Demgegenüber betonte Breit-Keßler, dass die unterschiedlichen Haltungen in dieser Frage theologisch auf unterschiedliche Auslegungen der Bibel zurückzuführen seien. „Es darf nicht so sein, dass die eine Seite behauptet, der Bibel zu folgen und der anderen Seite die biblische Grundlage abspricht. Wir können hier nur gemeinsam unterwegs sein und müssen dem jeweils anderen glauben, dass auch er sich um eine geistvolle Auslegung der Bibel bemüht“, so Breit-Keßler.

24.07.2017 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher


Pressemitteilung vom 21.07.2017

Kirchliche Statistik 2016

Austritte weiterhin rückläufig, Taufen erneut gestiegen

Ein gemischtes Bild vermittelt der Blick auf die statistischen Zahlen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) für das Jahr 2016, die jetzt vorliegen. Erfreulich ist die erneut gestiegene Zahl der Taufen: von 21.800 Personen im Jahr 2015 auf 22.642 in 2016 (2014: 21.567). Leicht rückläufig sind die Zahlen für die Trauungen und Bestattungen: Kirchlich getraut wurden 5.602 Paare (2015: 5.660); die Zahl der Bestattungen reduzierte sich von 29.007 in 2015 auf 27.078 im vergangenen Jahr.

Erfreulich ist auch der Rückgang bei den Kirchenaustritten: 2016 traten 22.694 Personen aus der Kirche aus, 2015 waren es 24.914, im Jahr 2014 28.401 Personen. Eingetreten in die ELKB sind im Jahr 2016 2.870 Personen (2015: 3.013, 2014: 3.054). Zum 31.12.2016 lebten 2.414.720 Evangelische in Bayern, rund 15.000 weniger als im Vorjahr (2015: 2.430.191, 2014: 2.456.140).

155.090 Personen haben sich im vergangenen Jahr in der bayerischen Landeskirche ehrenamtlich engagiert (2015: 157.769).

Dazu der in der Kirchenleitung für Kirchengemeinden und Mitgliedschaftsfragen zuständige Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner: „Die Statistik unserer Landeskirche zeigt gerade bei den Taufen eine erfreuliche Zunahme. Auch wenn die Zahl der Austritte wiederum abgenommen ist, ist sie immer noch insbesondere gegenüber den Jahren vor 2014 (durchschnittlich 15-16.000) auf einem sehr hohen Niveau, zumal die Eintritte rückläufig sind. Jeder einzelne Austritt ist für uns überaus schmerzhaft. Die Tatsache, dass bei ständig wachsender Gesamtbevölkerung die Evangelischen im Freistaat Bayern seit dem Jahr 2000 um etwa 300.000 weniger geworden sind, macht deutlich: die Zugehörigkeit zur Kirche verliert an Selbstverständlichkeit. Umso mehr kommt es darauf, auf gemeindlicher wie auf landeskirchlicher Ebene die Kontakte zu den Gemeindegliedern, die keine regelmäßigen Kirchgänger sind, ganz besonders aber zu jüngeren Menschen zu intensivieren und aktiv den besonderen Wert einer dauerhaften Mitgliedschaft in der Kirche zu vermitteln. Die guten Erfahrungen aus der Fundraising-Arbeit und der in einigen Dekanatsbezirken zu bestimmten Anlässen versandten „Kirchenpost“ können dafür genutzt werden.“

21.07.2017 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher